Beton Küchen Arbeitsplatte - DIY

Ein besonderes Hobby braucht auch einen besonderen Platz.

MEINE KÜCHE.

Mit dem Motto fing der ganze Spaß an. Alle denen ich von meinem Vorhabe erzählt habe, hielten die Idee für bescheuert. Die Platten werden viel zu schwer, die Oberfläche wird bestimmt nicht glatt oder der Beton wird ganz schnell ganz fürchterlich dreckig aussehen.

Aber da war ich anderer Meinung.

Ich habe mich jetzt fast 2 Jahren lang mit mit dem Werkstoff Beton beschäftigt und habe Experimente mit Betonenrezepturen, verschiedenen Schal-Materialien und natürlich auch mit unterschiedlichsten Versiegelungstechniken gemacht.

Mittlerwerweile habe ich meine Küche fertig und möchte euch eine detaillierte Anleitung zum Thema "Beton Arbeitsplatte" an die Hand geben.

Hier mal ein paar meiner (Übungs) Projekte:

Mein erstes richtiges Projekt.
Mein Beefer Tisch, mit Stahl als Bewehrung und Holzschalung.
Frühstücksbrettchen und Eierbecher

Oberfläche gewachst, Plastik Verpackungen als Schalung.
Plätzchen Dose
Schalung aus Holz und Styrodur
versiegelt mit Bienenwachs
Plätzchen Dose
Schalung aus Holz und Styrodur
versiegelt mit Bienenwachs

Leitfaden zum Bau einer Betonarbeitsplatte

1. Die Schalung

Die Schalung ist wohl mit eines der wichtigsten Bauteile für die perfekte Arbeistplatte. Die Oberfläche der Schalung spiegelt hinterher die Oberfläche der Betonplatte wieder. Ihr braucht also eine extrem glatte Schalhaut wenn Ihr eine glatte Betonoberfläche erhalten wollt.

Als erstes benötigst du die genauen Abmessungen der Arbeitsplatten. Die Aussparungen und Höhenversprünge müssen von vornerein alle berücksichtigt werden.

Ich habe also als erstes meine Küche geplant um an die genauen Abmessungen der einzelnen Platten und Aussparungen zu kommen.

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Dann habe ich mir die Schalung aus melaminharzbeschichteten Spanplatten zuschneiden lassen. Die Platten sind super glatt und vorallem sind sie bezahlbar. Wenn die Platte noch glatter werden soll, könnte man die Schalung auch aus Plexiglas bauen. Aber das hätte meinen Kostenrahmen gesprengt. Beim Bau der Schalung bitte darauf achten, dass wenig bis garkeine Spalte entstehen, da der Beton durch das Fließmittel in jede Ritze kommt. Wer beim Bau der Schalung einen guten Job macht hat schon die halbe Miete im Sack.

Wenn Ihr die Schalung fertig habt, sucht euch einen lotrechten Platz und richtet die Schalung so gut es geht waagerecht aus.

Jetzt benötigt Ihr noch ein Schalöl zum besseren trennen des Betons. Ich kann euch das Pieri Aquarol  ans Herz legen, damit habe ich bis jetzt die besten Erfahrungen gemacht. Viele andere Trennmittel haben bei mir ölige Flecken hinterlassen.

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2. Die Beton-Rezeptur

Für den Beton habe ich viele Versuche gestartet und bin mittlerweile bei einem hochwertigen Weißzement von Dyckerhoff gelandet. Der Zement wird mit Sand, Kies, Fließmittel, Farbpigmenten und Entlüfter angerrührt und das Ergebnis ist ein absolutes Highlight. Die Oberflächen werden grandios  glatt und man hat eine enorm hohe Festigkeit, was wichtig ist da ich gerne mit scharfen Kanten arbeite.

Ich gebe euch hier mal ein Rezept und eine Anleitung mit an die Hand.

25kg Dyckerhoff FLOWSTONE weiß

375g Fließmittel (ADVA Flow 342 o. 343)

75g Entlüfter (Optec 960)

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250g Pigmente (Eisenoxid)

25kg Kies 2-8 mm

15kg Sand 0,5-2 mm

5kg Wasser

500g Glasfasern

Das niedrige Verhältnis von Wasser zu Zement sorgt dafür, dass der Beton kaum Luftporen beim abbinden behält. Das Fließmittel und der Entlüfter sorgen dafür, dass der Beton trotzdem fließfähig wird und in jede Ritze der Schalung fließt. Es ist einfach eine geniale Mixtur die mit dem typischen Estrichbeton aus dem Baumarkt nicht mehr zu vergleichen ist.

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3. Die Betonage

Die Schalung sollte 100% gerade stehen und einen sicheren Stand haben. Ich habe die Schalung mit einem Schalöl eingesprüht, damit sich der Beton nachher besser löst und man eine glatte Oberfläche erhält.

Versucht es am besten erst garnicht ohne Zwangsmischer, der Beton ist zu trocken um Ihn mit der Hand anzurühren.

Erst den Zement, den Kies, den Sand, die Glasfasern und die Pigmente miteinander im Mischer vermengen. Das Wasser mit dem Entlüfter vermischen und nach und nach die ersten 4 Liter dazu geben. Der Beton wird durch das Wasser zwar feucht, aber noch nicht fließfähig. Jetzt kommt die Geheimzutat in den Mischer, das Fließmittel.

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Der Beton fängt an Kügelchen zu bilden, die Kügelchen werden immer kleiner und kleiner. Es kann gute 10 Minuten dauern bis sich das Fließmittel um die Festkörper gelegt hat. In diesen 10 Minuten könnt ihr nach und nach das restliche Wasser hinzugeben.

Ist der Beton zu einer schönen glatten Mischung geworden, könnt ihr ihn Eimer für Eimer in die mit Trennmittel vorbereitete Schalung geben. Achtet darauf das nicht zu viel Trennmittel auf der Schalung ist, es reicht die Schalung hauchdünn damit zu besprühen und nach zu wischen.
Zu guter Letzt solltet Ihr den Beton beim Entlüften unterstützen und ein wenig mit einem Hammer an der Schalung klopfen, der Beton sollte aber auch durch den Entlüfter beginnen zu "blubbern" und dafür sorgen das sich kaum Luftporen bilden.

"Ergänzung"

Zusätzlich habe ich im Bereich der Aussparungen Stabstahl als Armierung eingebaut. Auf den Fotos oben ist es recht gut zu sehen, es reichen 6er Eisen volkommen aus, ich habe seitlich in die Styordurplatten für die Aussparungen auf halber höhe Schrauben eingedreht auf die ich nachher die Stangen legen konnte.

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4. Die Nachbehandlung

Durch die glatte Schalung und die Variante die Platte über Kopf zu betonieren, erhält man eine sehr glatte Oberfläche. Es sollten keine  Schleifarbeiten mehr nötig sein. Ich mag auch geschliffenen Betonoberflächen nicht, da man mit dem Schleifen die Gesteinskörnung offen legt und die Betonoberfläche danach eher einem Terrazo belagt ähnelt.

Ihr solltet die Betonplatten ca. 10 Tage in der Schalung ruhen lassen und sie dann ganz vorsichtig ausschalen. Danach würde ich die Betonplatten mindestens weitere 18 Tage aushärten lassen. Dann sollte der Beton seine volle Festigkeit erreicht haben und für die Versiegelung bereit sein. Vorher befindet sich noch zu viel Feuchtigkeit im Beton.

Bei der Versiegelung einer Küchenarbeitsplatte gibt es für mich 3 wichtige Punkte.

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  1. Hohe mechanische Belastung
    Töpfe, Schneidbretter usw.
  2. Feuchtigkeit
    Spühlwasser, kochen usw.
  3. Lebensmittel
    Lebensmittelechtheit kommen in Kontakt

Bei der Auswahl der Versiegelung habe ich mich für ein Produkt entschieden was meiner Meinung nach eine "gute" resistenz gegen mechanische Belastung, eine "hohe" Resistenz gegen Feuchtigkeit und vor allem unbedenklich beim Umgang mit Lebensmitteln hat.

Stone Nano Clear

Hier noch ein paar andere Möglichkeiten der Versiegelung die ich getestet habe

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CHECKLISTE

1. Schalung

  • Schalholz (Melaminharz beschichtete Platten)
  • Styrodur Platten
  • Trennmittel (Pieri Aquarol)

 

3. Betonage

  • Zwangsmischer
  • Wasserwaage
  • Hammer

2. Beton

 

4. Nachbehandlung

möglichkeiten der Versiegelung

Eure Fragen, meine Antworten :

Wieviel KG wiegen die fertigen Platten ?

Die fertigen Platten wiegen bei meinem Projekt (6cm dicke) zwischen 70 und 130 kg. Das ist stark abhängig von der dicke der Platten und von der größe der Ausschnitte. Das genaue Gewicht der Platten kann man aber recht simpel berechnen.

siehe nächster Punkt.

Welche Mengen benötige ich ?

1 m3 hochfester Beton wiegt ca. 2500kg
das heißt man kann sich über die Schalfläche A x B und die Schalhöhe C die m3 der zu betoniereden Bauteile berechnen. Das Ergebniss x 2500kg und schon hat man das Gewicht der fertigen Betonplatten. So habe ich mir die Materialmengen ermittelt. Wer es ganz genau haben möchte, kann die Wassermenge beim Gesamtgewicht wieder abziehen, da dieses bei der der Dehydratation aus dem Beton wieder entweicht.

Sind die Platten bewehrt/armiert ?

Ja aufjedenfall, die Platten sind wie beschrieben mit einer Glasfaserbewehrung armiert. Diese sorgt für eine sehr hohe Zugefestigkeit. Im Bereich von Aussparungen habe ich zusätzlich Stahl als Armierung eingebaut, da die Belastung an den Stellen um einiges höher ist. Schon alleine für den Transport.

Ich habe den Einbau der Stahlarmierung oben im Text ergänzt.

Wie teuer ist eine Betonarbeitsplatte ?

Das ist leider so Pauschal nicht zu sagen, aber ich kann euch sagen was mich meine Platten gekostet haben.

Ich habe pro laufenden Meter ca. 25 kg Zement verbraucht, der kostet mit allen Zuschlägen ca. 60€.

Dann habe ich als Schalung Holzplatten und Schrauben verwendet, diese kosten dich vielleicht 20€ pro Meter

Für die Versiegelung habe ich pauschal mal 10€ gerechnet.

Das sind in Summer ca. 90€ je laufenden Meter.

Jetzt liegt es an dir wie weit der Preis nach oben geht, Schalung beim Schreiner bauen lassen, Beton Mischer leihen, Probeplatten gießen, Versiegelungen testen.

Bilderalbum von der Planung bis zur fertigen Küche

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